The Defenders – Die Review

© Netflix Marvel's The Defenders

Was war das Geschrei damals groß, als Marvel Television bekannt gab, gemeinsam mit dem amerikanischen Streaming-Dienst Netflix, Daredevil erneut auf den heimischen Bildschirm zu bringen. Zu tief saßen die Erinnerungen an Ben Affleck im Latexanzug…
Doch als die erste Staffel am 10.04.2015 veröffentlicht wurden, entwickelte sich mit rasanter Geschwindigkeit ein neuer Hype um den düsteren Helden. Gewalt und eine ausgezeichnete Charakterentwicklung zusammen mit dem dunklen und dreckigen Look, erweiterten das kunterbunte MCU wunderbar. Der Erfolg war vorbeschrieben und daher wunderte es kaum, dass weitere Serien, die im gleichen Kosmos, also den Straßen von New York, angesiedelt sein sollten. Entsprechend erhielten Jessica Jones, Luke Cage und Iron Fist jeweils eine eigene Staffel, die nun im großen Team-Up The Defenders zusammenliefen.

Die 8 teilige Serie setzte direkt nach den Ereignissen der bisherigen 5 Staffeln an und nimmt sich die Zeit, den Standpunkt seiner Figuren zu beleuchten. Besonders spannend ist es für Comicfans, wenn etwa Luke Cage das erste Mal auf Danny Rand trifft. Kenner wissen, dass die beiden ein eigenes Team haben, die Heroes for Hire. Es ist vor Allem die ausgesprochen tolle Dynamik der Figuren untereinander, die Defenders zu einem echten Highlight macht. Denn obwohl Luke Cage stilistisch kaum mit Iron Fist oder Jessica Jones vergleichbar ist, schaffen es die Macher, den individuellen Flair wunderbar einzufangen und bleiben damit ihren Figuren treu.

Aber funktioniert das Treffen der 4 Eigenbrötler denn nun? Ja! Besser noch, als die Kämpfe und die Story ist die Beziehung einzelner Figuren zueinander. Matt, der nicht versteht, wie Jessica tickt, ihre Ambitionen aber schätzt, oder aber Luke Cage, der sich über das kindliche Verhalten von Danny Rand beklagt. Gerade bei Iron Fist wirkt es, als wäre seine erste Solostaffel nur das Setup für die Defenders gewesen, denn die wirkliche Charakterentwicklung findet im Austausch mit dem Team statt. Wo er zuvor noch blindlings und naiv agierte, halfen ihm seine Leidensgenossen dabei, bedachter vorzugehen und eine gewisse Reife an den Tag zu legen. Auch die Kämpfe sahen deutlich besser aus, als in dem Vorgänger. Die Chancen stehen also gut, dass die angekündigte 2. Staffel Iron Fist eine merkliche Verbesserung darstellt. Und wer weiß, vielleicht sehen wir ja tatsächliche ein Heroes for Hire (light). Meinen Segen haben sie.

Eines muss man den Netflix-Serien ja lassen: Die Intros sind der Wahnsinn. Obwohl sie sehr unterschiedlich ausfallen, wird schnell klar, dass sie Teil eines größeren Ganzen sind. Das zeigt sich auch in dem fantastischen Vorspann zu Defenders, der Elemente der Anderen vereint und neu interpretiert. Ebenfalls wird das konsequente Farbschema angedeutet, dass sich durch die Serie zieht. Während Luke Cages Einzelszenen immer einen Gelbstich haben und etwas nach Miami Beach aussehen, ist bei Jessica Jones alles in ein kühles Blau getaucht. Jede Einstellung von Matt Murdock ist rötlich oder beinhaltet einen stechend roten Gegenstand und Iron Fist ist in ein seichtes Grün-gelb getaucht, dass allerdings recht schwer zu sehen ist. Doch damit nicht genug, denn wenn erste Crossoverkontakte geknüpft werden dann behalten die Macher ihr Schema bei. Etwa in der Szene, in der Foggy Nelson auf Hogarth trifft sind die umliegenden Wände von Polizeisirenen blau-rot beleuchtet. Erst als die Defenders sich gemeinsam zeigen, entsteht ein „normal“ gefärbtes Bild.

Und schon wieder die Hand

Das große Übel und der gemeinsame Feind der Helden aus New York ist aus unterschiedlichen Anlässen, die Hand. Während Matt Murdock bereits in der Vergangenheit gegen sie kämpfen musste, hatte Luke Cage noch keine direkten Berührungspunkte mit dem Verbrechersyndikat. Sein Anliegen ist weiterhin Harlem und erst, als Jugendliche unter merkwürdigen Umständen ums Leben kommen, geht der schwarze Riese der Sache auf den Grund. Danny Rand, der als unsterbliche Iron Fist, geschworener Feind der Hand ist, machte sich nach dem Ende seiner Solostaffel mit Colleen Wing auf die Suche nach den Drahtziehern und gelangt so nach New York, während Jessica Jones durch, wie sollte es auch anders sein, einen Fall in die Begebenheiten herein gezogen wird. Es ist ausgesprochen mutig, dass sich die Autoren die Zeit genommen haben, die sie für nötig erachtet haben um das Team der Defenders zu formen. Erst zum Ende der 4. Folge treten sie erstmalig zusammen dem gemeinsamen Feind gegenüber, der wie sie dann wissen hinter all ihren individuellen Problemen steckt. Auch hier drängt sich der Verdacht auf, dass die gesamte Staffel Iron Fist notwendig war um für Defenders vorzubereiten. Viele offene Fragen wurden nun beantwortet und abschließend geklärt. Andere bleiben offen. Sicher ist, dass wir die Hand nicht zum Letzten Mal in einer Netflix-Produktion gesehen haben.

Fazit

Zusammengefasst ist Defenders eine wunderbare Serie, die aus den Schwächen ihrer Vorläufer gelernt hat. Die 8 Episoden sind für die Erzählung vollkommen ausreichend und machen das Ganze zu einer kurzweiligen Angelegenheit. Besonders der Stil und die Chemie zwischen den Figuren, aber auch das Setup für die kommenden Serien machen Lust auf mehr. Das „kleine Avengers“, wie sie gerne bezeichnet werden ist sicher kein Meilenstein der visuellen Erzählkunst, aber jeder, der mit Jessica Jones und Daredevil etwas anfangen konnte, wird hier auf seine Kosten kommen. Wir können die Serie wärmstens empfehlen.

Aktuell befinden sich Luke Cage und Jessica Jones in der Produktion ihrer jeweils 2. Staffel. Gegen Ende diesen Jahres erscheint der sehnlich erwartete Punisher und auch Iron Fist und Daredevil bekommen jeweils eine weitere Staffel. Worum es in letzterer gehen könnte? Wir haben da so eine Theorie! Aber Vorsicht: Spoiler!

 

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