Unproduzierte Marvel Filmprojekte – Teil I

© Constantin Film / Carolco Pictures

Bevor es das Marvel Cinematic Universe gab, war der Marvel Filmkosmos ein einziges Wirrwarr aus verrückten Ideen, verkauften Filmrechten und nicht realisierten Produktionen. Wir zeigen euch in diesem mehrteiligen Artikel ALLE unproduzierten Marvel Filmprojekte mit vielen interessanten und teilweise aberwitzigen Ideen. 


Fantastic Four [1994]

Im Jahr 1983 trafen sich der deutsche Produzent Bernd Eichinger mit Marvel Legende Stan Lee, um einige Ideen für einen Fantastic Four Film zu besprechen. Eichingers Produktionsfirma Neue Constantin sicherte sich zunächst für geschätzte 250.000 $ die Rechte den Film zu drehen, jedoch begannen hier bereits die Probleme mit den Rechten, die uns Fans auch heute noch quälen. Eichinger wollte sich die Option offen halten den Film später zu produzieren, jedoch würden die Rechte verfallen, wenn er den Film nicht in einer vorgegebenen Zeit ins Kino bringt. Somit fasste er den Entschluss für 1 Millionen $ ein B-Movie zu machen, damit die Rechte nicht verfallen.

So begann die Produktion im Dezember 1992. Das Screenplay schrieben die Autoren Craig J. Nevius und Kevin Rock, während Oley Sassone die Regie übernahm. Alex Hyde-White wurde für die Rolle des Reed Richards gecastet, Jay Underwood wurde zu Johnny Storm, Rebecca Staab wurde zu Susan Storm, Michael Bailey Smith zu Ben Grimm [seiner menschlichen Form], Joseph Culp zu Dr. Doom und Stuntman Carl Ciarfalio schlüpfte in einen hässlichen Gummi-Anzug und wurde zu dem Ding. Der Film wurde tatsächlich abgedreht, promoted und es sollte eine Premiere stattfinden. Dazu kam es jedoch nie. Es kam zu unterschiedlichen Anschuldigungen und Meinungsäußerungen zwischen Bernd Eichinger und Stan Lee. Der damalige CEO und Gründer der Marvel Studios Avi Arad kaufte alle Kopien des Films und hält sie seitdem unter Verschluss. Seiner Aussage nach hätte der Film den Ruf der Superheldenfilme geschadet. Bernd Eichinger und seine Firma Constantin Film produzierten daraufhin den Film Fantastic Four aus dem Jahr 2005 und das Sequel Fantastic Four: Rise of the Silver Surfer im Jahr 2007.

© Constantin Film

Dazzler

Mitte der 80er Jahre wurde Regisseur Gary Goddard, der allen voran bekannt ist für seine Arbeit an dem Masters of the Universe Film mit Dolph Lundgren in der Hauptrolle, damit beauftragt, ein Skript für einen Dazzler Film zu schreiben. Die Mutantin sollte von Schauspielerin Bo Derek [Bolero, Tarzan, Herr der Affen uvm.] gespielt werden. Als der legendäre und exzentrische Regisseur und Schauspieler John Derek mit ins Boot geholt wurde, kam die Produktion zum Stillstand. Über 30 Jahre später wurde Dazzler in dem Film X-Men: Dark Phoenix von Schauspielerin Halston Stage verkörpert.


Cannon Film Spider-Man

Nachdem Super-Man III im Jahr 1983 an den Kinokassen floppte, wollte niemand so richtig Comic-Adaptionen mehr produzieren. Marvel veräußerte die Rechte an die Firma Cannon Films, die eine 5-jährige Option hatte einen Spider-Man Film zu produzieren. Sollte allerdings bis zum 01. April 1990 kein Spider-Man Film in die Kinos kommen, sollten die Rechte verfallen.

Tobe Hooper [Invaders from Mars, Texas Chainsaw Massacre] wurde als Regisseur engagiert. Die Macher bei Cannon Films haben allerdings die Figur des Peter Parker völlig missverstanden und engagierten Autor Leslie Stevens ein Drehbuch zu schreiben. Stevens Drehbuch beinhaltete folgende Story [ohne Witz]: Ein Wissenschaftler bombardiert den Fotografen Peter Parker absichtlich mit Radioaktivität und verwandelt ihn in ein haariges, selbstmörderisches, achtarmiges Monster. Diese menschliche Vogelspinne weigert sich, sich der neuen Meisterrasse der Mutanten des Wissenschaftlers anzuschließen und kämpft gegen eine Reihe von Mutationen, die in einem Kellerlabor aufbewahrt werden.

Stan Lee war allerdings nicht sonderlich zufrieden mit der Umsetzung seines Lieblings und es kam zum Austausch der Autoren und Regisseure. So sollte Doc Ock einen Auftritt haben, Peter Parkers Lehrer spielen und gewissermaßen für die Erschaffung Spider-Mans verantwortlich sein. Obwohl nie offiziell ein Cast vorgestellt wurde, sollte der Stuntman Scott Leva Peter Parker spielen. Es war allerdings auch ein anderer, damals aufstrebender Schauspieler für die Rolle im Gespräch: Tom Cruise! Bob Hoskins sollte Doc Ock spielen, Stan Lee wollte Daily Bugle Chef J. Jonah Jameson verkörpern Katherine Hepburn sollte Tante May spielen. Warum wurde der Film nun nie produziert? Kurz und knapp: Cannon Films ging das Geld aus und die Produktion verlief im Sand. Einen Teaser-Trailer zu dem Film gab es dennoch.


Wolverine and the X-Men

Im Jahr 1989 wollten Marvel Legende Stan Lee und X-Men Autor Chris Claremont einen X-Men Film mit Wolverine in der Hauptrolle stemmen. Sie kamen sogar ins Gespräch mit Carolco Pictures und Lightstorm Entertainment. Niemand geringeres als James Cameron [Titanic, Avatar] sollte den Film produzieren. Kathryn Bigelow [Hurt Locker, Zero Dark Thirty, Near Dark] sollte die Regie übernehmen und Gary Goldman [Total Recall, Big Trouble in Little China] das Drehbuch. Die Rolle des Wolverine sollte Schauspieler Bob Hoskins übernehmen, während Angela Bassett zu Storm werden sollte. Claremont kontaktierte damals sogar Marvel Comics Boss Jim Shooter und bat ihn darum Jean Grey in den Comics wieder zum Leben zu erwecken. Diese starb zuvor in der The Dark Phoenix Saga. Doch auch diese Produktion landete kurz darauf in der Entwicklungshölle.


Silver Surfer

Im Jahr 1989 kontaktierten die beiden Filmstudenten Erik Fleming und Robert Letterman [Detective Pikachu] Marvel Studios und Bernd Eichingers Constatin Film, um nach der Erlaubnis zu fragen, einen Kurzfilm über den Silver Surfer zu drehen. Die Absicht der beiden Studenten war die damals noch relativ neue CGI-Methode zu nutzen, um eine völlig Computergenerierte Figur zum Leben erwecken: Den Silver Surfer. Der 5-minütige Kurzfilm wurde 1993 auf USC Film Festival gezeigt und erregte großes Aufsehen. Im Jahr 1992 kontaktierte Quentin Tarantino Constantin Productions und reichte sogar ein Skript ein. Er wurde jedoch abgelehnt. Im Jahr 2000 schrieb Andrew Kevin Walker [Sleepy Hollow] ein Silver Surfer Skript für 20th Century Fox. Doch auch hier kam es noch zu einer Produktion.

© Marvel Comics

Iron Man

Im April 1990 kauften die Universal Studios die Rechte an dem eisernen Avenger. Universal produzierte jedoch nie einen Iron Man Film und verkaufte die Rechte 1996 an 20th Century Fox. Im Januar 1997 zeigte Schauspieler Nicolas Cage Interesse Tony Stark in einem Iron Man Film zu verkörpert. Ein Jahr später brachte sich Tom Cruise ins Spiel, als er ebenfalls Interesse daran zeigte Tony Stark zu spielen. Autor Jeff Vinter [I, Robot] schrieb gemeinsam mit Stan Lee ein Skript für einen ersten Iron Man Film, in dem der Superschurke M.O.D.O.K. der Widersacher des Films sein sollte. Mehr als 10 Jahre später sollte M.O.D.O.K. ursprünglich der Schurke in Captain America: The Winter Soldier werden und von Game of Thrones Star Peter Dinklage gespielt werden. M.O.D.O.K. wurde jedoch aus dem Skript gestrichen und als Schurke durch Alexander Pierce ersetzt. Dinklage sollte später als Eitri in Avengers: Infinity War dennoch sein Debüt im Marvel Cinematic Universe feiern.

Im Jahr 1999 sollte das Skript von Vinter und Lee umgeschrieben werden. 20th Century Fox verkauft die Rechte jedoch an New Line Cinema, da die Produktion der X-Men Filme ihnen zunächst genügte und sie nicht nur Superhelden-Filme machen wollten. Kurze Zeit später soll sogar Quentin Tarantino Interesse bekundet haben einen Iron Man Film zu stemmen. New Line Cinema beauftragte im Laufe der nächsten 5 Jahre mehrere Autoren, darunter auch Joss Whedon, um ein neues Skript zu schreiben. Letztendlich pitchten die Autoren Miles Millar und Alfred Gough [Shanghai Noon, Spider-Man 2] ein Skript, in dem Tony Stark gegen seinen Vater Howard antritt, der ein böser Geschäftsmann ist und zu War Machine wird. Die Produktion verlief im Sand und New Line Cinema musste die Rechte an die Marvel Studios abtreten, da nie ein Film zustande kam. Marvel Studios produzierte kurz darauf mit Robert Downey Jr. den ersten Film des MCU.

© Marvel Comics

Carolco Pictures / MGM James Camerons Spider-Man

Mitte der 90er Jahre ging die Odyssee um einen Spidey-Film weiter. James Cameron [Avatar, Titanic] reichte ein neues Spidey-Skript bei Carolco Pictures ein. Das Skript hatte Ähnlichkeiten zu dem, das einige Zeit zuvor bei Cannon Film im Gespräch war. Auch hier sollte Doc Ock der große Schurke werden und ihn sollte niemand geringeres als Arnold Schwarzenegger spielen. Einige Monate später reichte Cameron ein überarbeitetes Skript ein, in dem die klassische Spider-Man Origin erzählt wird und Electro und Sandman die Schurken sein sollten. Allerdings wiesen die beiden scheinbar große Unterschiede zu ihren Comic-Vorlagen auf. Der entscheidende Kampf sollte auf dem World Trade Center ausgetragen werden und Spider-Man sollte Sex mit Mary Jane Watson auf der Brooklyn Bridge haben. [hmmm ooookaaaaay…] Gerüchten zufolge soll niemand geringes als Leonardo DiCaprio für die Rolle des Peter Parker eingeplant worden sei. Interessanterweise wurde Peter Parker Ende der 90er Jahre in den Marvel Comics oftmals so gezeichnet, dass er aussah wie Leo.

Warum wurde der James Cameron Film nun nie produziert? Ganz einfach! Es kam zu einem gigantischen Rechtsstreit zwischen [gefühlt] 100 Studios und Produzenten. Schlussendlich landeten die Spidey Rechte bei Sony Pictures und der Rest ist Geschichte…

© Carolco Pictures

She-Hulk

Anfang der 90er Jahre war ein She-Hulk Film in Planung, der von Regisseur Larry Cohen gestemmt werden sollte. Die Hauptrolle sollte Brigitte Nielsen spielen, die sogar ein Fotoshooting als She-Hulk und ihr Alter-Ego Jennifer Walters abhielt. Doch auch dieser Film wurde nie produziert und Jennifer Walters A.K.A. She-Hulk erhält demnächst ihre eigene Serie auf Disney+.


Luke Cage

Im Jahr 1991 fasste Kult-Regisseur Quentin Tarantino den Entschluss einen Luke Cage Film zu drehen. Die Hauptrolle sollte Laurence Fishburne spielen. Tarantino fokussierte sich jedoch auf Pulp Fiction und der Film wurde nie produziert. Seit 2003 arbeitete der Filmemacher Ben Ramsey bei Columbia Pictures an einem Luke Cage Drehbuch. Für die Hauptrolle sollen Jamie Foxx und Tyrese Gibson im Gespräch gewesen sein. Dwayne „The Rock“ Johnson, Isaiah Mustafa und Idris Elba sollen ebenfalls Interesse gezeigt haben an der Rolle. Schlussendlich landeten die Rechte am „Power Man“ 2013 bei den Marvel Studios und Netflix produzierte die Luke Cage Serie.

© Marvel Comics

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