Die Geschichte des Marvel-Universums

© Marvel Comics

Was ist so besonders am Marvel Comic-Universum? Verdammt viel, wenn man mich fragt. Wenn ich allerdings etwas länger darüber nachdenke und etwas deeper in die Materie eintauche, dann dürfte es wohl der Fakt sein, dass zumindest Erde-616, Marvels „Haupt“-Realität seit 1939 kontinuierlich existiert und die Geschichten aufeinander aufbauen. Klar, große Änderungen, Retcons und Ergänzungen bereits erzählter Geschichten gab es, gibt es und wird es auch immer geben. Aber nur so rechtfertigt man viele weitere und neue Erzählungen. Nun haben sich die Macher vom „Haus der Ideen“ gedacht, dass die Geschichte des Marvel Universums etwas strukturiert werden sollte. Deshalb haben sie T0p-Autor Mark Waid darauf angesetzt, die wichtigsten Ereignisse der Marvel Geschichte in Form eines Comics nachzuerzählen. Wie diese Idee umgesetzt wurde und ob die Umsetzung was taugt, das verraten wir euch jetzt. 

ES WAR EINMAL … DAS MARVEL-UNIVERSUM [Panini Backcover]

Das Universum stirbt. Damit sich der mächtige Franklin Richards an alles erinnern kann, was bald vergehen wird, erzählt ihm Weltraumriese Galactus noch einmal die ganze Geschichte des Marvel-Kosmos: vom Urknall, seiner Frühzeit, seinen Zivilisationen, der Moderne, seinen Wundern und natürlich von seinen vielen Helden …

Eine unglaubliche Reise durch die Marvel-Historie und zu ihren größten Momenten und Meilensteinen, die sogar einige neue Dinge enthüllt! Spektakulär inszeniert von Top-Autor Mark Waid und Ausnahmekünstler Javier Rodriguez. Mit umfangreichen Bonusmaterial.

Die Geschichte des Marvel Universums beinhaltet auf insgesamt 244 Seiten die 6-teilige Miniserie mit dem englischen Titel „History of the Marvel Universe“ #1 – #6 von Autor Mark Waid und Zeichner Javier Rodriguez. Ganz wichtig an dieser Stelle ist klarzustellen, dass es sich hierbei um KEINE weitere Marvel Enzyklopädie handelt, sondern tatsächlich um ein Comic. Und allein diese Tatsache macht diese Ausgabe bereits viel interessanter als jede Enzyklopädie. Alles beginnt am Ende des Marvel Universums. Um genau zu sein, am Ende von Jonathan Hickmans Fantastic Four Run, den er 2012 beendete. Am Ende der Zeit sitzt der mächtige und Erwachsene Sohn von Reed Richards und Sue Storm, der Omega-Level Mutant Franklin Richards, Seite an Seite mit dem Weltenverschlinger Galactus. Bevor alles endet soll Galactus, der im Grude genommen das älteste Wesen des bekannten Universums ist, Franklin noch mal in aller Kürze die wichtigsten Ereignisse des Marvel Kosmos erzählen. Beginnend mit dem Urknall, über die Erschaffung der ersten außerirdischen Rassen, der Entstehung der Erde, dem ersten Besuch der Celestials bis hin zu dem Zeitalter der Superhelden. Wie bereits in der Einleitung erwähnt, ist eine große Besonderheit des Marvel Universums, dass es seit mittlerweile 81 Jahren eine kontinuierliche Erzählung ist. Außerdem spielen reale Ereignisse wie die beiden Weltkriege, die Sintflut und historische Persönlichkeiten wie Leonardo da Vinci, John F. Kennedy und viele andere ebenfalls eine bisweilen große Rolle im Marvel Kosmos. Die Origin Storys vieler Figuren sind auch an diese Ereignisse geknüpft, so zum Beispiel der junge Magneto, der als Jude von Nazi Deutschland verfolgt und in ein Konzentrationslager deportiert wurde. Das ist eine weitere Besonderheit, die das Marvel Universum ausmacht. Ihr merkt schon, dass Autor Mark Waid ziemlich weit ausholt und wirklich ALLES wichtige in wenigen Zeilen und grandiose Panels von Juan Rodriguez an die Leser weitergibt.

Wie kann man die ganze Geschichte nun bewerten? Nun ja, es ist keine Comic Story im klassischen Sinn. Nichtsdestotrotz haben Mark Waid und Juan Rodriguez dennoch etwas ganz besonderes daraus gemacht. Die Geschichte des Marvel Universums ist beispielsweise viel interessanter und fesselnder als die Jubiläumsausgabe Marvel Comics #1000, die vor wenigen Wochen ebenfalls bei uns erschien ist. Sie ist auch nicht unbedingt vergleichbar mit Alex Ross´ Marvels, in dem zumindest die Moderne des Marvel Universums von Reporter Phil Sheldon aus seiner Perspektive erzählt wird. Allein deshalb ist diese Ausgabe etwas ganz besonderes. Neben der wundervollen Art und Weise, wie Autor Mark Waid die Geschichte aus der Perspektive von Galactus erzählt, ist vor allem Juan Rodriguez Seitenaufbau phänomenal. Er hat es teilweise geschafft ein ganzes Event auf eine einzige Seite zu bringen und es wirkt weder zu überladen, noch zu minimalistisch. Doch das war noch längst nicht alles. Denn neben der eigentlichen Story dieser Ausgabe, hat Marvel die Ausgabe dann doch noch mit vielen weiteren Seiten und kurzen und knappen „Fakten“ zu den einzelnen Ereignissen ausgestattet, die die Erzählung noch ergänzen. Ein wahrlich gelungener Infopool. 

Fazit: Vergesst jede Marvel Enzyklopädie, denn das hier ist der „real deal“. Autor Mark Waid hat akribische Recherchen angestellt und das Marvel Universum auf wundervolle Art und Weise, mit Hilfe von tollen Panels von Juan Rodriguez, mit viel Liebe zum Detail nacherzählt. Klar, auch dies alles ist nicht in Stein gemeißelt. In einigen Jahren werden einige dieser Dinge überholt oder neu erzählt werden. Nichtsdestotrotz ist es eine wundervolle Ausgabe, die mir persönlich sehr viel Spaß gemacht und nochmals aufgezeigt hat, warum ich das Marvel Universum so liebe. Ein Muss für alle Marvel-Freaks, diejenigen, die ihr Wissen ausbauen möchten und sogar für Neueinsteiger. 

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Leseprobe

Bewertung

Story: 9.5/10.0 ● Zeichnungen: 9.2/10.0

Gesamt: 9.3/10.0

9.3/10

Erstveröffentlichung 
05.05.2020
Format
Softcover
Seiten
244
Autoren
M. Waid
Zeichner
J. Rodriguez
Storys
History of the Marvel Universe 1-6

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