Top 8: Gescheiterte und [fast] vergessene Marvel TV-Serien

©CW Seed
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Bereits lange vor der heutigen „großen Zeit“ der auf Comics basierenden Produktionen hat Marvel in der TV-Landschaft auf sich aufmerksam gemacht. Die kultige Hulk Serie mit Lou Ferrigno oder die 90er Jahre Cartoons X-Men und New Spider-Man, nur um ein paar Beispiele zu nennen,  haben heute unter Fans absoluten Kultstatus. Doch nicht alle Ausflüge die Marvel in die TV-Landschaft unternahm liefen wie geplant. Einige Serien wurden zwar ausgestrahlt, verschwanden aber relativ schnell von der Bildfläche und einige von ihnen wurden über die Jahre fast vergessen. Acht von ihnen wollen wir euch heute vorstellen und vielleicht erinnert sich ja der ein oder andere von euch an sie oder ist vielleicht sogar  ganz froh sie vergessen zu haben. 


X-Men: Pryde of the X-Men
Erstausstrahlung: 1989
Staffel: 0
Episodenanzahl: 1

Pryde of The X-Men war der Versuch eine weitere Marvel Zeichentrickserie ins „ Marvel Action Universe (MAU)“ unterzubringen. Das MAU war ein wöchentlicher Block, der in den USA verschiedene von Marvel produzierte Zeichentricksendungen ausstrahlte, darunter u.a. Spider-Man & His Amazing Friends, New Fantastic Four, Incredible Hulk oder auch Dino-Riders und Robocop. Pryde of The X-Men war außerdem der erste Versuch die X-Men ins Fernsehen zu bringen. Wie der Titel vermuten lässt, stand die Figur Kitty Pryde als damals jüngstes Mitglied der X-Men im Fokus als Dreh und Angelpunkt für die jungen Zuschauer. Stan Lee himself hatte eine Sprechrolle als Erzähler. Produziert und ausgestrahlt wurde lediglich nur die Pilotfolge. Diese bekam eher gemischte Kritiken und da sich Marvel in finanziellen Schwierigkeiten befand, markierte die Pilotfolge von Pryde and The X-Men auch das Ende des gesamten MAU. Nicht alles an Pryde and The X-Men war negativ. Die Serie wurde später zur Vorlage eines Spielautomaten-Games von Konami und das kreative Team arbeitete später auch an der 1992 ausgestrahlten legendären X-Men: The Animated Series.


Power Pack 

Erstausstrahlung: September 1991 
Staffel: 0
Episodenanzahl: 1

Das Power Pack ist ein Team bestehend aus 4 jungen Geschwistern mit Superkräften. Es ist die erste Gruppe im Marvel Universum, die ausschließlich aus Kindern besteht und autark ohne erwachsene Figuren agiert. Mitte der 80er war die Comicreihe um die 4 Superhelden-Kids so beliebt, dass Paragon Entertainment Corporation und New World Television sich gezwungen sahen, zusammen mit Marvel Television an einer TV Umsetzung zu arbeiten. Eine 27 minütige Pilotepisode wurde für das Kinderprogramm des Senders NBC produziert, doch der Sender lehnte das Projekt ab und der Pilot landete letztendlich bei Fox. Fox strahlte den Piloten zwar einige Male auf ihrem Kinderkanal „Fox Kids“ aus, hatte aber kein weiteres Interesse an einer Power Pack Serie, womit das Projekt nach der Pilotepisode bereits abgesetzt wurde. 


Night Man

Erstausstrahlung: September 1997 – Mai 1999
Staffel: 2
Episodenanzahl: 44

Night Man basiert auf die gleichnamige Figur aus dem „Ultraverse“, einem Imprint von Malibu Comics, das später von Marvel Comics aufgekauft wurde. Night Man ist das Alter-Ego des Jazz Saxophonisten Johnny Domingo, der nach einem „Unfall“ die Fähigkeit erhielt, telepathisch „das Böse“ zu erkennen aber dabei die Fähigkeit zu Schlafen verliert. Als Night Man zieht er Nachts über die Dächer um Verbrechern das Handwerk zu legen. Geschaffen wurde die Figur u.a. von Comic-Ikone Steve Engelhart, der auch die ersten 3 Episoden der Serie schrieb. Highlight der Serie war ein Crossover mit dem Hauptprotagonisten der Serie Manimal [Ein Fall für Professor Chase ]. Warum die Serie nach 2 Staffeln und 44 Episoden vom Haussender Syndication abgesetzt wurde ist nicht bekannt. Lediglich das es einige „Umstrukturierungen“ zwischen der ersten und zweiten Staffel gab – z.B. wurde fast der gesamte Cast mit Ausnahme des Hauptdarstellers ausgetauscht –  die zur Absetzung beitrugen.


Generation X

Erstausstrahlung: Februar 1996
Staffel: 0
Episodenanzahl:

Generation X basiert auf die gleichnamige Spin-Off Comicgruppierung der X-Men, in der jüngere Mutanten in den Fokus gerückt wurden. Als Kernprojekt einer Kooperation zwischen New World Entertainment und der Marvel Entertainment Group, sollte Generation X erst als Fernsehfilm produziert und anschließend als TV Serie beim Sender FOX fortgeführt werden. Bekannte Comicfiguren wie Emma Frost, Banshee, und Jubilee traten in der Serie auf. Gedreht wurde u.a. auch im Hartley Castle in Kanada, welches später in den X-Men Filmen als Location für das X-Institut genutzt wurde. Als Regisseur hatte man Jack Sholder verpflichtet, der zuvor an dem Kult-Horrorfilm A Nightmare on Elm Street Part II gearbeitet hatte. Leider schlug Generation X nicht so ein wie geplant. Bei Comicfans und Zuschauern fiel die Serie gnadenlos durch. Diese bezeichneten den Film bestenfalls als „Thrash“. Es blieb einzig und allein bei der Pilotfolge. Für das Heimkino wurde Generation X auch nie veröffentlicht. Es scheint man wollte absichtlich dafür sorgen, dass diese Serie vergessen wird. 


The Avengers: United They Stand

Erstausstrahlung: Oktober 1999 – September 2000
Staffel: 1
Episodenanzahl: 13

Nach dem Erfolg von Batman Beyond [Batman of The Future] bei der Konkurrenz „Kid’s WB“, wollte der Sender Fox Kids eins drauf setzen und gab Avengers: United They Stand in Arbeit. Marvel Produzentenmogul Avi Arad hatte dabei seine Finger im Spiel. Dieses Mammutprojekt war eine groß angelegte Kooperation zwischen den Zeichentrickgrößen Saban, Marvel Entertainment und Fox Entertainment. Avengers: United They Stand debütierte zwar mit annehmbaren Quoten, die aber nicht Ansatzweise an Batman Beyond heranreichten. Am meisten Einstecken musste die Serie aber von den Kritikern. Hauptkritikpunkt war, dass die Serie nicht das bekannte Avengers „Kernteam“ sondern zum Großteil das Line-Up der Westcoast Avengers als Basis nutzte. Zur damaligen Zeit wurden die Westcoast Avengers Truppe, zu denen Figuren wie Ant-Man, Hawkeye, Scarlet Witch oder Vision gehörten, als „ B-Ware“ beschimpft. Dazu kam noch die penetrante Vermarktung einer gleichnamigen Actionfiguren-Kette von Toy Biz, die die Kreativität der Serienmacher beeinflusste. Auch wenn es nicht so schlecht lief, genügte dies Fox nicht, weshalb die Serie nach einer Staffel mit 13 Episoden abgesetzt wurde.


Mutant X

Erstausstrahlung: Oktober 2001 – Mai 2004
Staffel: 3
Episodenanzahl: 66

Die Serie Mutant X war eine Kooperation zwischen Marvel Entertainment, Global Entertainment und dem Independent Studio Fireworks Network. Produziert wurde die Serie von keinem geringeren als Avi Arad. Mutant X handelt von einer Gruppe sogenannter „New Mutants“.  Diese verfügten über übermenschliche Kräfte, die sie aus Genexperimenten erhalten haben. Euch kommt das bekannt vor? Diverse Begrifflichkeiten und Namen wurden zwar aus Comics übernommen, hatten aber sonst nur vage Gemeinsamkeiten. Dennoch veröffentlichte Marvel offizielle Comics zur Serie. Aufgrund der „vagen“ Gemeinsamkeiten wurde die Serie ein Spielball von Rechtsstreitigkeiten zwischen 20th Century Fox und Marvel – vor allem, da der erste X-Men Film von Fox gerade mal ein knappes Jahr vor Mutant X erschien. Auch zwischen den einzelnen Produktionsfirmen der Serie war die Lage angespannt. Fireworks Entertainment ging insolvent und sowohl Marvel Entertainment als auch Global weigerten sich die weiteren Produktionskosten zu tragen. Somit war das Aus der Serie nach der dritten Staffel und 66 Folgen [inklusive Cliffhanger] besiegelt.


Blade: The Series [Blade – Die Jagd geht weiter]

Erstausstrahlung: Juni 2006 – September 2006
Staffel: 1
Episodenanzahl: 12

Die TV Serie um den Kult-Vampirjäger lief auf dem damals noch sehr jungen Privatsender Spike TV [heute Paramount Network] und brachte es lediglich auf eine Staffel. Blade: The Series verstand sich als Fortsetzung der gleichnamigen Filmreihe mit Wesley Snipes und erzählt die Story um den beliebten „Daywalker“ weiter. Kirk Jones beerbte Snipes in der Rolle als Eric Brooks/Blade während David S. Goyer – der u.a Blade 1-3 oder Ghost Rider schrieb – und die heutige Comic-Ikone Geoff Johns die Serie produzierten und sich für die Pilotfolge verantwortlich zeichneten. Hauptdarsteller Kirk Jones ist vor allem unter dem Künstlernamen „Sticky Fingaz“ als Frontman der Hip-Hop Gruppe ONYX bekannt. Anfangs stand es auch nicht schlecht um die Serie. Blade: The Series debütierte mit lauwarmen bis positiven Kritiken und annehmbaren Quoten. Doch zu hohe Produktions-und Drehkosten zwangen den damals noch sehr jungen Sender das Projekt einzustampfen und es bei einer einzigen Staffel zu belassen!


Fantastic Four: World´s Greatest Heroes [Fantastic Four – Die größten Helden aller Zeiten]

Erstausstrahlung: September 2006 – Oktober 2007
Staffel: 1
Episodenanzahl: 26

Fantastic Four: World’s Greatest Heroes war die mittlerweile vierte animierte Umsetzung der Superhelden-Familie und wurde für den Zeichentrick-Giganten Cartoon Network produziert. Marvel Studios und Marvel Entertainment waren sehr bestrebt darin – nach dem kommerziellen Erfolg des Kinofilms im Jahre 2005 – neue Abenteuer der Marvel’s First Family modernisiert für eine jüngere Zielgruppe ins TV zu bringen. Um das zu garantieren wurde das französische Animationsstudio MoonScoop Group beauftragt. Mit einer Kombination aus klassischen und modernen 3D Animationen, gemischt mit einem zeitgemäß hippen “Anime”-Stil, sollten die Zuschauer von einer „frischen” und zeitgemäßeren Umsetzung der Fantastic Four überzeugt werden. Leider – trotz recht positiver Kritiken –  wurde die Serie nach 8 ausgestrahlten Folgen überraschend aus dem Programm genommen. Trotz einer fertig produzierten Staffel mit 26 Folgen. Kurz vor der Veröffentlichung des 2.  Kinofilms “Rise of The Silver Surfer”, wurden zu Promozwecken weitere 9 Episoden ausgestrahlt. Die restlichen Episoden wurden niemals veröffentlicht und die Serie verschwand wortlos von der Bildfläche.