Wählt Loki – Eine Politsatire?

Das Coverbild von Wählt Loki, der Polit-Satire um den Gott der Lügen
© Marvel Comics

Dass im Jahr 2016 tatsächlich Donald J. Trump zum Präsidenten der USA gewählt wird, damit hätte wohl niemand gerechnet. Und auch bei uns macht sich eine gewisse Politverdossenheit breit. Generische Kandidaten, die Ihre Wähler zum eigenen Zwecke belügen. Wäre das nicht die perfekte Bühne für den Gott der Lügen? Pardon… Gott der Geschichten?

Mit genau dieser Prämisse startet die abgeschlossene Miniserie Wählt Loki. Der Inhalt ist schnell erzählt. Bei einem Fernsehduell der konkurrierenden Kandidaten um den Posten des werdenden Präsidenten, kommt es zu einem terroristischen Überfall durch Hydraagenten. Doch zum Glück ist Thors Bruder Loki unter den anwesenden Pressevertretern und kann Schlimmeres verhindern. Da nun alle Kameras auf ihn gerichtet sind, nutzt er die Gelegenheit und hält ein feuriges Plädoyer gegen das Establishment, wie sie die Wähler zum Narren halten und das die Menschen es verdient hätten, ins Gesicht belogen zu werden. Und nicht heimlich, wie es die Politiker tun. Nur wenig später, werden Unkenrufe laut, der Gott der Lügen, … ähm… Geschichten, solle selbst kandidieren. Was er dann auch direkt in die Tat umsetzt. Es folgt ein satirischer Blick auf nur allzu bekannte politische Methoden: Denunzierung der Medien, Angriff auf die Pressefreiheit, Deklassierung der politischen Gegner und populistisches Gerede.

Was eigentlich eine gute Idee, zur richtigen Zeit scheint, will hier nicht recht zünden. Wählt Loki startet mit der richtigen Intention und könnte so viel mehr sein, als das Heft, das nun vor mir liegt. Denn die Satire ist keineswegs dezent oder subtil, nein, sie wird mit dem Vorschlaghammer serviert. Wer am Ende der knapp 100 Seiten noch nicht verstanden hat, worauf hier angespielt wird, der hat sein politisches Grundverständnis wohl beim Pokern verspielt. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der aufstrebenden Journalistin Nisa Contreras, die in der Vergangenheit bereits einen Gouverneur gestürzt hat. Es scheint, als sei sie die einzige, die Loki den guten Samariter nicht abnehmen will und versucht mit allen Mitteln zu verhindern, dass er an Popularität gewinnt. Was natürlich nach hinten losgeht.

Ein Ausschnitt aus der Polit-Satire Wählt Loki
© Marvel Comics

Neben dem starken Aufbau, der aber rasant in sich zusammen fällt, hat der Band ein viel größeres Problem: Die Zeichnungen von Langdon Foss. Über Kunst lässt sich bekanntermaßen streiten, aber im vorliegenden Fall haben mich die krakeligen und fast schon zu Karikaturen verzogenen Gesichter immer wieder aus der Geschichte gerissen. Der Look ist definitiv Geschmackssache, gewinnt bei mir aber keinen Blumentopf.

Fazit:
Alles in Allem ist Wählt Loki ein sehr durchwachsener Comic. Die Gastauftritte von Angela und Lady Thor wirken forciert und sind für die Handlung nahezu irrelevant. Wer Lust hat, sich den Wahlkampf in den USA nochmal in abgewandelter Form anzusehen, der darf hier beherzt zugreifen. Ich kann das gute Stück nur bedingt empfehlen.

Bestellung:

Leseprobe

 Erstveröffentlichung: 15.08.2017

Format: Softcover

Seiten: 140

 Autor: Christopher Hastings

 Zeichner: Langdon Foss

 Storys: Vote Loki 1-4

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