Venom ohne Spider-Man? Kann das gut gehen?

© Marvel Comics

Die Verteilung der Filmrechte im MCU  [Marvel Cinematic Universe] ist so eine Sache. Während der Großteil aller Helden mittlerweile wieder dem Haus der Ideen gehört, verweilen die Fantastic Four und die X-Men bei 20th Century Fox. Das komplette Spider-Verse liegt hingegen bei Sony Entertainment, das bereits 5 Filme gemacht hat nur um zu zeigen, dass Sie Spider-Man nicht verstanden haben. Natürlich gilt Spider-Man 2 als eine der besseren Superheldenverfilmungen der jüngeren Zeit, bleibt aber eben keine wirklich gute Umsetzung des Comichelden.

Seither hofften die Fans es würde endlich zu einer Einigung zwischen den Häusern kommen und die freundliche Spinne endlich in die Nachbarschaft bekommen die sie braucht. Und dann war es endlich so weit. Im Jahr 2016 tauchte ein sehr junger Spidey in der recht losen Adaption von Mark Millars Meilenstein Civil War auf. Mit losem Mundwerk und salopper Art spielte sich Tom Holland in die Herzen der Fans. „So muss Spider-Man aussehen!“, war mein erster Gedanke, als ich damals aus dem Kino kam und mit dieser Ansicht war ich anscheinend nicht alleine, denn wenig später kündigten Marvel und Sony eine weitere Co-Produktion an: Spider-Man: Homecoming. Ein Solofilm im MCU.  Die von Sony angekündigten Projekte, wie Sinister Six und Amazing Spider-Man 3 verschwanden aus den Terminplänen. Und damit sah es so aus, als wäre alles in trockenen Tüchern und die Übernahme des Franchises durch Marvel nur noch ein Formakt.

Weit gefehlt.

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Denn wie aus dem Nichts kündigte Sony zwei eigenständige Projekte an. Einen Black Cat/Silver Sable Film, um den es an dieser Stelle nicht gehen soll, und Venom. Der berühmte Symbiont ist seit langem ganz oben auf jeder Liste, wenn es darum geht, Figuren (wieder) auf die große Leinwand zu bringen. Beide Filme sollen aber komplett losgelöst vom neu installierten MCU-Spider-Man stattfinden, weswegen viele Fans auf die Barrikaden gingen und sich lauthals beschwerten. Nicht ganz unbegründet, bedenkt man die komplexe Beziehung zwischen Venom und seinem Ur-Wirt Peter Parker. Auch mir mag es nicht ganz in den Sinn kommen, wie Sony sich das gedacht hat Venom ohne den Bezug zu Spider-Man zu installieren, aber ich sehe die Chancen. Wieso könnte es ein Geniestreich sein, eine so offensichtlich verbandelte und abhängige Figur von seinen Wurzeln zu lösen?

Die Antwort ist einfach: kreative Freiheit.

Während das MCU Individualität immer dem Gesamtkonzept unterordnen muss, hätte Sony hier die Möglichkeit etwas komplett anderes zu machen ohne dabei auf zeitliche Abfolgen, kommende Projekte oder sonst etwas Rücksicht zu nehmen. Ein Leuchtfeuer origineller Schrulligkeit inmitten von überlandend komplexen Shared-Universen. Die Kinolandschaft ist voll davon und so erscheint mir ein losgelöster und für sich stehender Superheldenfilm äußerst verlockend.

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Ein weiterer Vorteil, der gerne vergessen wird: MCU-Mastermind Kevin Feige hat in einem Interview bekannt gegeben, dass es keine Überlegungen gibt, Filme mit einer höheren FSK, wie Deadpool oder Logan zu produzieren und man wolle an der Familientauglichkeit festhalten. Schön und gut, aber eben nicht für jede Figur gleichermaßen geeignet. Der Punisher, Moon Knight, Venom oder sein irgendwie-Kind Carnage sind absolut nicht familientauglich und sollen es auch gefälligst nicht werden, denn das würde bedeuten der Figur ihren Kern zu nehmen. Etwas, so nehme ich an, das absolut nicht im Sinne der Fans ist, oder?

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