Vision #1 – Eine fast normale Familie

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©Marvel Comics

Erinnert sich noch jemand an die zentrale Aussage aus Blade Runner? Oder um ein abgewandeltes Grönemeyer Zitat zu verwenden: Wann ist ein Mensch ein Mensch? Erfolgsautor Tom King versucht mit seiner 12-teiligen Vision-Reihe eine Antwort zu finden. Was wir davon halten und ob uns der bereits hoch gelobte Comic zugesagt hat, erfahrt ihr in der Review. Aber zunächst eine wunderbare Zusammenfassung der Geschichte des grün-roten Androiden.

Panini Vorwort:

©Marvel Comics

Im Jahre 1968 führten die kreativen Marvel-Ikonen Roy Thomas und John Buscema die Figur Vision ins Marvel –

Universum ein. Eigentlich sollte der Synthezoid – der synthetische Mensch bzw. lebensechte Andorid mit künstlichen menschlichen Organen – im Auftrag der boshaften künstlichen Intelligenz Ultron die Avengers vernichten, doch am Ende wandte er sich gegen seinen fiesen Schöpfer, wie Fans altehrwürdiger Marvel-Action in MARVEL KLASSIKER: AVENGERS 1 nachlesen können. Vision wurde ein verlässlicher Avenger und Held. Seine Gehirnmuster basieren auf denen des früheren Avengers Simon „Wonder Man“ William, dessen Bruder der brutale Schurke Grim Reaper ist. Später verliebte sich Vision in die mächtige Mutanten-Hexe Wanda „Scarlet Witch“ Maximoff. Die beiden heirateten schließlich sogar und bekamen zwei Kinder, doch stellte sich am Ende heraus, dass die Kids aus magischer Energie und Seelenfragmenten des Höllenlords Mephisto bestanden. Mephisto holte sich zurück, was ihm gehörte und so verloren Vision und Wanda ihre Kinder, woran ihre Ehe zerbrach. Die uralte Mystikerin Agatha Harkness, die von der Katze Ebony begleitet wird, löschte danach zeitweise Wandas Erinnerungen und trainierte sie im Gebrauch ihrer Fähigkeiten. Im dramatischen Band AVENGERS: HELDENFALL wurde Vision von She-Hulk getötet und erst Jahre später gelang es dem brillianten Tony Stark, den künstlichen Menschen wiederherzustellen. Im brandneuen Marvel-Universum machte AVENGERS-Autor Mark Waid Vision zu einem Teil des neuen Rächer-Teams, das aus Captain America Sam Wilson, Thor Jane Foster, Iron Man, Nova, Ms. Marvel und Spider-Man Miles Morales besteht. Vision wurde die Last seines perfekten Gedächtnisspeichers in Kombination mit seinen Gefühlen jedoch zu viel, weshalb er all seine Erinnerungen von seinen Emotionen reinigte. Außerdem baute er sich eine eigene Familie, und deren Geschichte erzählen Autor Tom King und Zeichner Gabriel Hernandez Walta in diesem ersten starken Band der neuen Serie Vison…

So viel zur einleitenden Nacherzählung aus dem Vorwort des ersten Bandes. Was wurde diese Serie nach dem erscheinen gelobt und mit Preisen überhäuft. Die Reviews stapelten sich und aus reinem Contradenken war ich schon bereit, die Story liegen zu lassen. Welch ein Glück, dass ich mich nicht daran gehalten habe…

Den Inhalt zusammenzufassen ist gar nicht so leicht, wenn man nicht spoilern möchte. Ich versuche es trotzdem:

Vision lebt mit seiner selbt gebauten Familie in der Kleinstadt Arlington in Virginia (Hausnummer 616!) und versucht ein ganz normales Leben zu führen. Doch wie lebt man das, wenn man ein nahezu unbesiegbarer Roboter ist, der die Welt unzählige Male vor dem Untergang gerettet hat. Wie haben sich die Kinder zu verhalten, wenn sie in der Schule dem geistigen Niveau ihrer Mitschüler weit voraus sind? Was genau ist die Aufgabe einer Mutter, die keine Kinder mehr im Haus hat? Wie nimmt man eine Familie mit unendlichem Zerstörungspotential in der Nachbarschaft auf?

Tom King nimmt diese Fragen und schreibt eine bebilderte Novelle darüber, die mich stellenweise sehr an den Meilenstein Blade Runner erinnerte. Zugegeben, der Einstieg fiel mir recht schwer, denn andere Helden oder Schurken sucht man hier vergebens. Natürlich gibt es sie, aber nicht als relevanter Teil der Geschichte. Hier geht es nur um eine einzige Sache: Haben die Visions das Recht als Menschen angesehen zu werden. Der Heroismus kommt zum Vorschein, wenn eine Mutter alles bereit ist zu tuen, um ihre Familie zu schützen, oder wenn sich der jüngste Sohn in der Schule dem Spott seiner Mitschüler aussetzt. Vision ist leise und trampelt dabei doch ganz offensichtlich auf einer der wesentlichsten Fragen herum, die man sich seit der Schöpfung im Jahre 1968 stellt: Wer ist Vision?

Stilistisch machen es sich Autor und Künstler einfach. Die sonst von Monologen gefüllten Sprechblasen werden hier zum stetigen Erzähler, wodurch sich das Heft mehr nach einem Roman, als einem Comic anfühlt. Und das ist nichts Schlechtes. Visuell bin ich noch nicht sicher, ob ich die Zeichnungen wirklich mag, oder nicht. Der etwas schwammige Look passt aber hervorragend in die Geschichte.

Fazit:

Wenn Blade Runner und Desperate Housewives ein Kind hätten und dieses im Marvel Universum angesiedelt wäre, dann wäre das definitiv der vorliegende Comic. Der Einstieg ist etwas holzig, da die sprachlichen Gepflogenheiten der Androiden doch etwas befremdlich sind, ebenso die direkte Erzählung des Autors über die Sprechblasen. Vision funktioniert ganz ausgezeichnet, eben weil er den Alltag des Helden zeigt, wenn er von seiner ausergewöhnlichen Arbeit mit den Avengers heimkehrt. Es sind die menschlichen Momente, in denen man geneigt ist zu vergessen, dass keiner der Beteiligten wirklich ein Mensch ist. Wie ähnlich sich Original und syntethische Nachbildung sein können, zeigt sich vor allem darin, wenn es um die Familie geht. Denn dann gehen alle über Leichen…

Bestellung über Panini

Story: 9.0/10 ● Zeichnungen: 8.0/10

Gesamt: 8.5/10

Erstveröffentlichung 06.12.2016
Format Softcover
Seiten 140
AutorenTom King
ZeichnerGabriel Hernandez Walta
StorysVision 1-6

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